Beiträge

 

Mitglieder des Geschichtskreises:

 

Heidrun Kligge    - Ortschronistin

Sabine Wieck,

Dr. Bernd Willing,

 

 

Die AG Geschichte befaßt sich mit der Bearbeitung von historischen Dokumenten, Recherchen in den Archiven und die Befragung von Zeitzeugen und Bewohnern, das sammeln von alten Fotos und Papieren sowie die Dokumentation des täglichen Lebens im Ort. Das sind Aufgaben, für die wir auch Unterstützung gebrauchen könnten.

Wenn Sie Interesse an unserer Arbeit haben und gern bei uns mitarbeiten möchten, dann rufen Sie uns an

 

Ansprechpartner:    Heidrun Kligge

Telefon:                  01759904990

 


 

 

Der Wolf kehrt zurück

Der Aufruf erfolgte schon voriges Jahr, gleich nach den Sommerferien.

Wir wollen vom Freien Deutschen Autorenverband Sachsen-Anhalt eine Anthologie machen, uns mit der Natur beschäftigen, malen und schreiben und unsere Schulkinder einbeziehen. Tiere beobachten und die heimischen Wälder kennenlernen.

Am 07.07.15 zur Projektwoche kam unser Wolfsbotschafter, Herr Emmerich, zu den Kindern. Er brachte Modelle und Filme mit und veranstaltete altersgerechte Quizze. Es gab Preise für die Sieger und Siegerfotos. Unsere Schüler stellten sehr viele Fragen, das entschädigte für die unerträgliche Hitze.

Die Anthologie ist nun in Arbeit. Die Schüler hatten 89 Bilder abgegeben und auch unsere Autorenwerkstadt „die Hamster“ waren emsig mit Texten und Bildern dabei.

Die Anthologie soll 2016 zur Leipziger Buchmesse präsentiert werden und natürlich wird sie dann auch verkauft. Ein Teil des Erlöses wird für das Wolfs-

Projekt gespendet.

Wir erzählen über den Wolf und berichten ihm über unsere Heimat und die Tiere. Er soll sich hier wieder heimisch fühlen.

Seit der Wende ist er zurückgekehrt und hat seit dem noch keinen einzigen Menschen gefährdet. Der gefährliche Wolf ist nur Märchen!

Kligge

 

Protokoll Geschichtskreis 18.07.2014

1.Am 14. und 15.07. haben wir mit großer Unterstützung des Heimatvereins mit den Schulkindern Drachen gebastelt, in Vorbereitung des 1. Drachenfestes im Herbst. Am ersten Tag bastelten die Kinder der 3. und 4. Klasse, am 2. Tag die Schüler der 1. und 2. Klasse. Wir sind gespannt, ob die Drachen fliegen werden.

2.Am 15.07. ging Frau Wieck mit Frau Liebigs Klasse wandern. Sie besuchten den Nixensumpf und die Großkühnauer Kirche, sowie den Winklerstein und erfuhren historische Daten.

3.Zur Sitzung des Heimatvereins am 16.07. wurden die Sieger des Drachenbaus und des Schülerwettbewerbs zur Gestaltung der Bushaltestelle an der Schule festgelegt, wobei für letzteren die Stimmen der Kinder zu Grunde gelegt wurden.

4.Am 18.07. haben Frau Solarszyk und Frau Kligge die Stele an der alten Schule (Kreativzentrum) gesäubert und mit einem neuen Aufkleber versehen und wollen sie mit Jürgen Ribbecke neu befestigen.

Dieser Tag war auch ein ganz besonderer, denn ab 9.00Uhr fand in der Aula die Verabschiedung der 4.Klassen statt. Zu diesem Anlass wurden auch die Urkunden für die Sieger der Sportwettkämpfe, sowie des Schulwettbewerbs und des Drachenbaus von Herrn Schönemann verliehen.

Sieger Schulwettbewerb:
1.Platz: Till Stechert

2.Platz: Alexander Richter

3.Platz: Leon Mülder

Sieger Drachenbau 1./2.Klasse:
1.Platz: Thorina Neundorf

2.Platz: Johannes Neumann

3.Platz: Phillip Stolze

3./4.Klasse: .
1.Platz: Collin Thiele

2.Platz: Anni Schulz

3.Platz: Katy Ye

5.Wir wollen im Amtshaus die Bildertafel neu gestalten, da die Fotos so verblasst sind.
Im Herbst werden die Drachen dann noch mit Schüren versehen, dann gibt es einen Flugwettbewerb.
Die Bushaltestelle wird nun nach den Vorschlägen der Kinder gestaltet.

H.Kligge

 


08.07.2013- Geschichte zum Anfassen für unsere Grundschüler

Das war das Motto für unser Projekt.

Am 08.07. lernten 27 Schüler der 3.und4. Klasse, wie Brot gebacken wird. Bäckermeister Ernst Meiling formte mit den Kindern aus den Zutaten die Laibe. Die Kinder sahen die Brote entstehen und langten bei den Baguettes und Muffins, die im Ofen lecker entstanden, ordentlich zu. Zwischendurch konnten sie in einem Arbeitsheft, die von Frau Jahn gestellten Aufgaben lösen und ihr bis dahin erworbenes Wissen testen. Wir halfen gern dabei. Zum Schluß erhielt jedes Kind eine Plakette, mit der Aufschrift: „Bester Nachwuchsbäckerlehrling und Rätselkönig 2013!“

Am 09.07. starteten dann die gleichen Kinder mit Frau Kligge zum Entdecken in unsere Fischersiedlung. Anschließend fuhren wir gemeinsam mit dem Bus in die Törtener Siedlung, um das Haus im Mittelring 38 von innen anzusehen. Auch das Haus Anton in der Doppelreihe und das Stahlhaus in der Südstraße waren die Forschungsziele. Interessant für alle Kinder war dann der Gang durch den Garten von Frau Jahn, die gegenüber vom Haus Anton ihr Haus hat. Die Kinder stellten viele Fragen und kamen zu dem Ergebnis, das man in den Häusern, die in den 20-iger Jahren von Gropius und Fischer erbaut wurden, noch heute toll wohnen kann.

Am 10.07. hatten die Kinder ihren Verkehrstag und die Nachprüfung für die beiden Schüler, die die Prüfung noch einmal wiederholen mussten.

Der 11.07. wurde zum Erlebnis für die 28 Kinder der 1. und 2. Klasse. Wir luden die Kinder in das Kreativzentrum ein um ihnen zu zeigen, wie früher der Unterricht ablief. Frau Kligge hatte für jedes Kind ein Blatt mit dem alt-deutschen Alphabet vorbereitet und die Vornamen der Kinder darauf geschrieben, einmal in der Schrift von 1930 und einmal von 1965. Eifrig schrieb dann jedes Kind mit einer echten Feder, einer Stahlfeder und auf eine Tafel. So wie früher ihre Groß- oder Urgroßeltern. Dann erzählte Frau Kligge, wie die Namen früher entstanden sind und Frau Wieck schlug in einem Namenslexikon nach, um den Kindern die Bedeutung ihrer deutschen Namen vorzulesen. In der Pause gab es Leckereien und dann wurden im Garten lustige Spiele, wie Topfschlagen, Zuzwinkern, Komm mit…. gespielt, was früher schon die Kinder spielten und heute noch die Schüler begeisterte. Mit Preisen belohnt gingen die Kinder dann Mittag zur Schule zurück.

Vorbereitet und begleitet wurden diese Aktionen von Frau Kligge, Frau Miertsch und Frau Wieck.

Text und Foto: H. Kligge

Arbeitsplan der AG Geschichte 2013

 

Projekt: Geschichtstag für die Schulkinder - Geschichte zum anfassen

Projekt: Gestaltung der Bushaltestelle an der Schule durch Herrn Block

- Geschichtstag zur ersten urkundlichen Erwähnung Kleinkühnaus am 17.02.2013 im Kreativzentrum

- Fortsetzungsbroschüre zur Chronik für den Verkauf

- 800 Jahre Dessau, "Hugo Junkersfest vom 05. - 07.06., Gestaltung einer Postkarte, Briefmarke und

Fortsetzung der Chronik "wie Kleinkühnau sich entwickelte"

- Pflege des Johannes Winkler Gedenksteins und dessen Umfeld sowie der bereits aufgestellten

Erinnerungsstelen im Ort

AG Geschichte 2012

1.  Auswertung der Hinweise und Reaktionen auf die Chronik

2.  Besuch des Archives von Herrn Hinze in der Törtener Straße (Museum)

3.  Erstellung des Planes 2013 - 800 Jahre Dessau

4.  Aufstellung der 3. Stele Ende 2012

5.  Sammlung neuer Beiträge für die Chronik und Bewertung bereits vorhandener

6.  Präsentationen in der Öffentlichkeit: Vorstellung von Beiträgen zu

Veranstaltungen im Ort in der Presse zum Geschichtstag des Heimatvereins

 

Dessau, d. 09.12.11                                                          Heidrun Kligge

 

ASTRIS -Zu den Sternen - Männer der Rakete !

 


 

Hört sich gewaltig an und der vom Heimatverein organisierte Vortrag war gewaltig. So geschehen und angekündigt am 4. Juli im Hugo Junkers-Museum um 18 Uhr.
Einen besseren Referenten ( Herr Erfurth ) für und zu diesem Thema hätte man sich nicht wünschen können.
Bild- und Schriftenmaterial von Johannes Winkler in Verbindung mit Hugo Junkers aus dem deutschen Museum in München belegten grandiose Forschungsergebnisse eines Kühnauer Bürgers, der Geschichte in der Forschung mit Raketen schrieb.
Ein Denkmal was der Kultur-und Heimatverein einem großen Naturwissenschaftler und Forscher in Kühnau setzte.
Für alle Interessenten, wird der Vortrag am 12.Juli um 18 Uhr im Kreativzentrum Kleinkühnau, Hauptstraße185, wiederholt.
Ein Kommen lohnt sich!

Text : W. Freystadtl

Geschichtsjubiläum Kleinkühnau 2011



Unser Leben im Alten Forsthaus in Dessau-Kleinkühnau


Von Marianne Maenner, geb. Beuther

Unsere Adresse lautete: Altes Forsthaus Dessau-Kleinkühnau.

Das Alte Forsthaus bildete das erste Gebäude am Eingang der Ortschaft direkt gegen-über der Schule. Es war früher das historische „Pächterhaus“ und im 18. Jahrhundert auf Veranlassung des „Alten Dessauers“ errichtet worden. Ab 1886 wurde es sowohl für Wohnzwecke, als auch für gewerbliche Zwecke benutzt, zeitweise als Café, dann als Forsthaus. Es war ein breitgelagertes Fachwerkhaus mit riesigem Dach und hieß „Das Alte Forsthaus“.

1934 erwarb es mein Vater, Dr. Eduard Beuther, der als Zahnarzt eine Praxis in Dessau hatte, als Wohnhaus für unsere Familie. Er renovierte das Gebäude teilweise, beispielsweise baute er ein Badezimmer mit eigener Wasserversorgung durch einen Brunnen ein. Das schöne Haus hatte 6 große Zimmer, die durch Kachelöfen beheizt wurden. Zum Haus gehörte ein sehr großer Garten von vier Morgen Land (10.000 qm), mit einem hübschen Teich und einer Scheune. Das Ganze bildete das Paradies unserer Kindheit. Wir hatten einen kompletten Zoo an Haustieren: Gänse, Enten, Hühner, Puten, Tauben, Hunde, Katzen, Ziegen, Schafe, Schweine, eine Kuh und sogar eine Zucht von Silberfüchsen, deren Fell damals in Mode war. Unser Vater wäre lieber Landwirt gewesen und erfüllte sich so einen Traum.

Mein Bruder war nur 15 Monate älter als ich, wir waren wie Zwillinge. Wir kletterten auf die zahlreichen großen Obstbäume, sprangen in der Scheune ins Heu oder angelten am Teich Frösche, die immer wieder ausrissen. Unsere Mutter ließ uns auf dem großen Gelände weitgehend frei herumstreunen. Manchmal spielten wir auch mit meiner Grundschulfreundin Ingrid Hammermann-Hübner, heute noch wohnhaft in der Rosenburgerstraße, mit der ich auch jetzt noch befreundet bin.

Wir gingen in die Grundschule gegenüber und rannten erst los, wenn es klingelte. Die schönen frühen Jahre gingen über in Kriegs- und Nachkriegszeit. Im Krieg wurden wir gezwungen, unser geliebtes Altes Forsthaus zu verkaufen, da die Junkerswerke den Flugplatz erweitern wollten. Wir durften aber vorerst weiter dort wohnen bleiben. Die größten der herrlichen Obstbäume wurden gefällt, der Teich zugeschüttet und der Garten etwas verkleinert. Ein Beobachtungsturm für die Flak und eine Baracke für die Soldaten wurden im Garten errichtet. Das Ende des Krieges erwarteten wir im Keller der Schule gegenüber. Amerikanische Soldaten stürmten in Kampfanzügen die Schule, taten uns aber nichts. Eine Granate zerfetzte einen Giebel des Alten Forsthauses, der später notdürftig repariert wurde. Unser Haus besetzten amerikanische Soldaten. Wir zogen für einige Wochen in die schon erwähnte Baracke im Garten. Nach Abzug der Amerikaner wurde die eine Hälfte des Hauses mit der Scheune einem „Neubauern“ übergeben.


Auszüge:


1. 110 Jahre Leopold Fischer, Architekt

2. 130 Jahre Leberecht Migge , Landschaftsarchitekt

3. 80 Jahre erste Flüssigkeitsrakete von Johannes Winkler


1.  Leopold Fischer -  110. Geburtstag

28.04.1901 - geb. in Bielitz- Biala- Bielitz  (Schlesien),Vater-Holzhandlung, 2 Schwestern

1920-1921
- Besuch der Bauschule von Adolf Loos in Wien

1924   

- erster Kontakt zu dem Gartenarchitekten Leberecht Migge

1925  
- arbeitet er kurze Zeit im Baubüro von Walter Gropius in Dessau, Beteiligung an
..der Planung der  Versuchssiedlung Dessau-Törten wohnt hinter dem Bauhaus
1926- 1930 - Chefarchitekt des anhaltinischen Siedlerverbandes

1926- 1929

- Projektierung der Siedlungen am Knarrberg Ziebigk und 300 Typenhäuser u.a.
..in Dessau- Kleinkühnau, Coswig, Zerbst, Köthen und Bernburg

bis 1930

- widmet er sich mit Migge ausschließlich Siedlungsbau (Binnenkolonisation infolge der ..Wohnungsnot- Idee aus der Weimarer Republik setzt sich für den Bau sogenannter ..Selbstversorgungs-Siedlungen ein wo Haus und Garten in einem.engen Bezug.zueinander ..stehen

1930 - Entwurf von Zweckbauten, Geschäftshäuser für die Konsum-Genossenschaft in
..
Dessau-Ziebigk und Bernburg, das Achteck und die Hohe Lache als Wohnsiedlungen
1933
- zog nach Ludwigsburg, im März besichtigte er die ihm vorgeworfenen Schäden
..an den Siedlungshäusern und bewies seine Unschuld, beteiligte sich aber finanziell an ..deren ..Beseitigung

1936 - Emigration in die USA nach Los Angeles, durch den Komponisten Arnold Schönberg,
..
Kontakt zum Architekten Frank Lloyd Wright

1957 - Teilnahme an der IBA Interbau in West-Berlin und Besichtigung seiner früheren Bauten

1961 - bis zu diesem Jahr hat er sein Architekturbüro in Beverly Hills
1975
- verstirbt er in Los Angeles, nach einer OP im Krankenhaus

Fischer zählt zu den innovativen, modernen Siedlungsarchitekten der Weimarer Republik. Er distanzierte sich jedoch in seiner Formensprache von den zeitgleichen Siedlungsbeispielen des Dessauer Bauhauses, von Otto Haesler, oder Bruno Taut. Da er den Bezug von Haus und Garten als zentralen Aspekt von Siedlungsbauten versteht.

Er gehörte zu den seltenen Architekten, die Häuser für Menschen bauen, ihren Wünschen und Bedürfnissen gemäß. Im Gegensatz dazu bauen Architekten Häuser, denen sich der Mensch gefälligst anzupassen hat.

Fischer baut nach dem Prinzip des sparsamen Bauens, welches Loos in Wien konzipiert hatte. Er gestaltete in Ziebigk die angebaute Glasveranda zum geräumigen Wintergarten um („grüner“ Hauptraum). Im Sommer konnte durch Entfernen der dem Garten zugewandten Glaswand, der Wohnraum  „erweitert“ werden.

Er entwickelt auch zweckmäßige Einrichtungsgegenstände, für den täglichen Gebrauch wie den Klapptisch, den eingebauten modernen Küchenschrank,  die Kleiderablage im Flur.

 

2.  Leberecht Migge  - 130. Geburtstag (Chroniktext)


20.03.1881
-  geboren in Danzig als 12. von 13 Kindern

1904-1913
-  nach Gartenbaulehre in Gartenbaufirma Jacob Ochs

1913 -  Reise nach England, Hinwendung zur Gartenkultur der Kleingärtner und Siedler
-  Gründung eines eigenen Büros und Veröffentlichung des Buches
...„Die Gartenkultur des 20. Jahrhunderts“

-  Beteiligung an der Baufachausstellung  in Leipzig

1920
-  zog in die Kunstkolonie Worpswede- „Sonnenhof“ Projekt
..
arbeitet für den 1920 gegründeten Anhaltische Siedlerverband
- Planung  der Gärten für Versuchssiedlung „Dessau- Ziebigk am "Knarrberg“,
..
„Hohe Lache“, „Achteck“, „Dessau- Kleinkühnau“ (Knarrberg =  Fischer-Siedlung)

10.12.1925 -  Vortrag Leberecht Migges in Dessau

1926
-  Migge besichtigt die Siedlungsgärten in den Siedlungen „Hohe Lache“ und Kleinkühnau, ...während einer Fach Tagung des Siedlerverbandes

1920- 1930 - Gestaltung vieler Außenanlagen der in der Zeit der „Weimarer Republik“ entstandenen ..Bewegung des „Neuen Bauens“ z.B. Hufeisensiedlung in Berlin-Britz (Bezirk Neuköln), ..Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf

30.05.1935
- verstorben

Gartentypen nach Migge:


„So haben wir in Anhalt die Type “Hohe Lache“ (Normengarten H.L.) als mehr wohnlich erschlossenen Heckengarten. Wir haben den Typ „Kleinkühnau“ (Normengarten D.K.), mit seinen freistehenden Doppelspalieren und rustikalen Wänden, als mehr ländlichen Nutzgarten und wir haben den Typ „Ziebigk“ (Normengarten D.Z.) als bisher am meisten fortgeschrittenen Versuch eines rationellen Wohn- und Nutzgartens.“Das Siedlungshaus sollte von seiner wirtschaftlichen Grundlage, dem Garten, aus gedacht werden, nicht nur eine Stätte des Verbrauchs, sondern auch eine Produktionsstätte sein. Er machte zahlreiche Vorschläge zur Steigerung der „Bodenproduktivität“durch Bewässerung, Düngung, Klimatisierung und zur Verbesserung der Bodentechnik. Dabei entwarf er auch ein ökologisches Modell, in dem die Nahrungsproduktion, die entstehenden Abfälle und der Flächenbedarf aufeinander bezogen wurden.

3.    80 Jahre europäische Flüssigkeitsrakete (Chroniktext)


Im Waldgebiet zwischen Klein- und Großkühnau wurde im März 1931 ein Meilenstein in der europäischen Technik und der weltweiten Raumfahrtgeschichte gesetzt. Hier startete auf dem ehemaligen Kühnauer Exerzierplatz die erste Flüssigkeitsrakete Europas. Der zu seiner Zeit erfahrendste Raketentechniker Deutschlands, Johannes Winker, Initiator des Vereins für Raumschifffahrt und Herausgeber der ersten Raumfahrtzeitschrift der Welt, hatte bei Junkers 18 Monate systematische Raketenforschung betrieben. Junkers benötigte Starthilfsraketen für seine Wasserflugzeuge und war auf Winkler aufmerksam geworden. Winkler entwickelte parallel zu den Starthilfsraketen eine senkrecht startende Rakete und konnte mir der finanziellen Hilfe seines Mäzens Hückel in seiner Kochstedter Werkstatt die HW1 (Hückel-Winkler) fertig stellen. Diese Rakete hatte noch nicht die spätere typische Geschossform, sondern bestand aus drei unverkleideten Metallrohren mit zentral angeordneter Technik. Der Kühnauer Gerhard Lattauschke beschreibt den Start: „Plötzlich fing es an zu zischen und ein länglicher Apparat stieg in die Luft. Nach einem Stück senkrechten Aufstieg flog er dann ein paar hundert Meter in Richtung Aken davon.“ Die Rakete HW1 stieg etwa 60 m hoch und landete ungefähr 200 m vom Startpunkt entfernt.

Diese, im Vergleich mit den damals bekannten Feststoffraketen noch recht bescheidene Flugdauer stellte einen bahnbrechenden Erfolg dar. Auch spätere Starts mit der weiterentwickelten HW1a verliefen erfolgreich. Johannes Winkler dazu: „Wir sind hier in Dessau wissenschaftlich bei weitem an erster Stelle, was das Problem der Flüssig-Treibstoffrakete anlangt. Wir bauen keine Riesenmodelle, sondern begnügen uns vorerst, auf der Grundlage der wissenschaftlich einwandfrei gefundenen Basis weiterzuarbeiten. Wir machen um dieser Arbeit willen kein großes Geschrei. Aber die Krönung unserer Arbeit, an deren Erfolg wir glauben, wird eines Tages überraschend und unanfechtbar da sein.“

Winkler sollte recht behalten. Er setzte sich für die friedliche Nutzung der Raketentechnik ein und fand in Hugo Junkers einen gleichgesinnten Partner. Fehlende behördliche Unterstützung und ungeeignete Startplätze verhinderten eine erfolgreiche Erprobung größerer Raketen. Es war neben der günstigen Kühnauer Örtlichkeit vor allem der, im Jahr 1931 in Dessau noch vorherrschende, fortschrittliche Geist, der seinen bahnbrechenden Erfolg möglich gemacht hat.

Winklers Leistung für die Raumfahrt wurde durch die Aufnahme in die „International Space Hall of Fame“ in Alomogardo / New Mexico gewürdigt. Ein Krater auf der Rückseite des Mondes trägt seinen Namen.

Winkler kehrte Ende 1932 wieder nach Dessau zurück. Er versuchte hier, ein Forschungsinstitut für Strahltriebwerke zu gründen, was auf Grund fehlender Unterstützung durch die örtlichen Behörden und seiner wirtschaftlichen Situation misslang.

Im August 1933 nahm er seine bisherigen Arbeiten bei den Junkerswerken wieder auf. Bis 1939 beschäftigte er sich dort mit Flüssigkeitstriebwerken. Im Juli 1939 begann er eine Tätigkeit an der Luftfahrtforschungsanstalt (LFA) in Braunschweig. Von dort ging Winkler 1941 bis 1945 nach Göttingen an die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA).

Von 1945 bis 1947 verfasste Winkler Berichte über seine Raketen-Forschungen für die Royal Air Force.

Winkler hatte sich, im Gegensatz zu v. Braun, stets in Wort und Schrift für die friedliche Nutzung der Raketentechnik eingesetzt. Vermutungen, dass er absichtlich kriegswichtige Forschungsergebnisse vor den Nazis zurückgehalten hat, sind schwer belegbar.

 

Am Startplatz der ersten europäischen Flüssigkeitsrakete sollte im Jubiläumsjahr eine Inschrift, mit stilisierter Rakete, Zeitpunkt und Namen angebracht werden. Zur Vermeidung von Vandalismus wäre im Wald ein beschrifteter Findling besser geeignet, als eine Stele oder Tafel.

Text: Dr. Bernd Willing

 
 
DESIGNER JOOMLA TEMPLATES Joomla Templates By JoomlaBear